Schmetterlinge, ein Vulkan und Corona-Reflektionen

Geschrieben am 27.02.2020

Während draußen Schäfchenwolken über den Atlantik ziehen,  scheint die Freiheit über den Wolken abhanden gekommen zu sein. Dank Internet, bin ich jetzt auch hier online… Ich befinde mich gerade auf dem Weg nach Teneriffa, dort wo gerade der Coronavirus angekommen ist. Meine Eltern machen sich Sorgen. Ich verstehe das, und doch fliege ich hin. Mit meiner Freundin wollen wir einen besonderen Ort für Kunst, Rückzug und Lernen kennenlernen. Der Ort heißt Mariposa ‚Schmetterling‘.

Die Zartheit dieses Wesens nehme ich als Symbol für die Anfälligkeit des menschlichen Organismus und Corona-Reflektionen. Wir dominieren die Welt. Denken wir, sehen wir. Doch ein Organismus, so klein, dass kein Auge es erkennen kann, setzt die Welt in Angst und Schrecken. Neben mir sitzt ein Mann, aus Neugier frage ich ihn, ob er sich Sorgen mache. Seine Antwort verblüfft „Nein, ich bin Mediziner. Warum sollte ich mir Sorgen machen? Das Virus ist eh schon weit verbreiteter als wir es Wissen. Wir beiden könnten es schon haben, das legen Fälle weltweit nahe, in denen kein Kontakt zu Infizierten nachweisbar ist, so geschehen z.b. in einer kleinen Stadt im Iran.‘ Er stützt seine Haltung auf den milden Verlauf, den die Erkrankung meistens nimmt, bei vielen Menschen träten gar keine Symptome. Er hofft, das sich der Erreger mit der Wärme des Frühlings wieder zurück zieht, so wie es bei Influenza und Grippeviren der Fall ist. Er deutet noch am, dass es momentan keine einfachen Schnelltests gebe, weswegen momentan ein Aussage wie weit verbreitet der Virus ist, schlichtweg nicht möglich ist.

Ob es beruhigt, dass Corona potentiell schon ‚überall‘ ist, das der Verlauf bei ‚halbwegs‘ gesunden Menschen mild verläuft… Ich weiß nur, dass es schwierig ist, in der jetzigen Situation ‚das richtige zu tun‘. Ich weiß auch, dass die Grenze zwischen Ruhe bewahren, sich schützen, leichtsinnig oder gleichgültig sein, eine sehr feine und zurzeit unfassbare ist.

Was wir lernen oder uns wieder ins Bewusstsein rufen können, ist, wie fragil der Mensch als Organismus und Kollektiv ist, wie leicht nicht nur Waren den Erdball spielend umrunden, sondern auch unsichtbare, ungebetene Gäste, wie schnell Angst um sich greifen können und auch wie es um unsere gesellschaftliche Reaktionsfähigkeit und Besonnenheit bestellt ist.

Zu folgenden Fragen regt mich diese Situation an: Wie können wir uns bewahren von berechtigter Sorge, in lähmende oder panisch machende Angst zu verfallen? Wie solidarisch sind wir wirklich? Wie können wir Gemeinschaft hoch halten, wenn es kein richtig oder falsch gibt und wir uns nicht darauf einigen können, was hilfreicher oder schädlicher ist? Wie können wir Hilfe von Medizinern erwarten und dabei in Kauf nehmen, dass auch sie ihr Leben aufs Spiel setzen? Wie reagieren wir als ‚Städter‘ wenn plötzlich München oder Paris unter Quarantäne gestellt wird? Welche Impulse gibt uns diese Situation für die Umgestaltung des Weltwirtschaftssystems? Wenn deutlich wird, wie abhängig die ganze Welt von Monoproduktion durch ein Land ist, wie im Falle der Schutzkleidung oder Antibiotika aus China?

Für gut recherchierte Fakten und kritische Reflektionen zum Corona Virus in Asien und China empfehle ich die Arbeit meines guten Schulfreundes Fabian Kretschmer, der zurzeit Korrespondent für die taz in China ist.

In wenigen Stunden werde ich das Corona Treiben von einem kleinen Dorf aus, an den Ausläufern des höchsten spanischen Berges und Vulkans ‚ El Teide‘ betrachten. Dort werden wir Mariposa erkunden. Ein Ort geschaffen zur Förderung der Kunst, zur Bildung und zum Rückzug. Von Helga und Hans-Jürgen Müller. Vor gut dreißig Jahren. Wir verbringen dort knapp drei Wochen, um zu erkunden, wie dieser besondere Ort den Weg in die Zukunft finden kann und was es braucht, um diese wunderbaren Ort aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken.

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